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Asiatische (Vespa)-Impressionen

12.2008 - Charles De Pierre


Letzten Monat reisten ich und meine Frau Yen in den Ferien wieder mal in Südostasien herum, wobei wir interessante Impressionen be-

treffend der Verwendung von Motorrädern und Rollern als Transportmittel erleben konnten.


Moped-Nation Vietnam


Vietnam, gilt heute weltweit als das Land mit den meisten Motorrädern bzw. Mopeds (China dürfte bald diesen Rang übernehmen, wenn sie

ihre Fahrräder verschrottet haben). Nach gut 30 Jahren Krieg und Isolierung besteht in diesem Land mit rund 84 Millionen Einwohnern und

einer stetig wachsenden Wirtschaft ein enormer Bedarf an Mobilität, der zurzeit fast aus schliesslich mittels Mopeds befriedigt wird. Wie

bereits früher bei den Rischkas und Fahrrädern, ist es für Vietnamesen nie eine Frage, wie viel  Personen und Waren drauf dürfen, sondern

wie viel drauf passt. Das war schon zu Zeiten von Ho Chi Min der Fall, als der Vietkong Unmengen an Munition und Waffen auf Fahrrädern

gepackt durch den Dschungel transportierte.Auch heute kann man noch, insbesonders in ländlichen Gebieten, solche für uns skurrilen

Transporte auf Fahrrädern und Mopeds beobachten (Merke: Die Tiere sind alle noch lebend, damit sie auch frisch auf dem Markt verkauft

werden können).Bei den in Vietnam benutzten Mopeds handelt es sich meist um Kleinmotorräder der Marke Honda und Yamaha mit langer

Sitzbank,Trommelbremsen, geschlossenem Kettenantrieb und einem Motor von 120ccm), die rund 60-80 Sachen machen (Kaufpreis rund

1'500 USD, das entspricht rund 20 Monatslöhnen eines Normal-Vietnamesen). Neu drängen auch Roller und Mopeds aus chinesischer Produktion

auf den Markt. Diese sind zwar massiv billiger (rund 500 USD) als die japanischen Kleinmotorräder, aber auch nicht so robust. Gefahren wird

jeweils Solo oder mit der ganzen Familie, d.h. Frau und 2-3 Kindern (Fahrer vorne, Kleinkind vorne auf Lenker, beide weiteren Kinder in der

Mitte und Frau zuhinterst auf Rückbank).Vor einem Jahr wurde in Vietnam das Helmtragen obligatorisch und dies wird, da die vietnamesische

Polizei rigoros mit saftigen Bussen  durchgreift, auch meist befolgt. Bei unserer Reise im Dezember 2008 trug jeder Motorradfahrer irgend-

eine Schale auf dem Kopf (Nur der Fahrer: Beifahrer und Kinder sind offenbar von dieser Massnahme nicht betroffen!!). Helme müssen nicht

typengeprüft sein. So kommt es, dass fliegende Händler am Strassenrand  „Schutzhelme“ aus China für 20'000 vietnamesischen Dongs an-

bieten (entspricht rund 3 CHF). Schutz gleich Null. Da kann man ebenso mit einer Styroporschachtel auf dem Kopf herumfahren….


Saigon: Mekka der Retro-Vespas


Von meinen früheren Besuchen in der südvietnamesischen Metropole Saigon (heute nennt sich  die 7-Millionen-Einwohner-Stadt, in der ge-

rüchteweise ebenso viele Motorräder registriert sind,  Ho Chi Minh City oder kurz HCMC) kannte ich von einer Vorbeifahrt im Taxi ein

Quartier, wo  mehrere Händler antike und auf „Retro“ getrimmte Vespas feilboten. In einem Taxi fuhren wir deswegen Mitte Dezember

durch das übliche Verkehrschaos Saigons.  Für mich immer wieder faszinierend ist, dass es trotz des offensichtlichen Verkehrschaos  praktisch

nie zu Unfällen oder Zusammenstössen kommt, obwohl das ganze Strassensystem Saigons Tag und Nacht mit Millionen von Mopeds, Last-

wagen, Autos sowie Rischka- und  Fahrradfahrern zum Bersten gefüllt ist. Jeder versucht auf seine Weise hupend auf irgendeine Weise vor-

anzukommen.  Fussgänger überqueren die breiten Strassen am besten mit der Saigon -Technik: Augen zu, geradeaus schauen und einfach

langsam die Strasse überqueren. Die heranfahrenden Zweiradfahrer hupen und der Fahrzeugstrom umrundet sicher den Fussgänger.

Man erreicht meist unbeschadet den anderen Strassenrand. Aber Achtung: Diese Technik funktioniert nicht bei Herannahen von

Lastwagen: Die hupen zwar, aber…..

An der An Duong Vuong - Strasse im 5.Bezirk Saigons reiht sich ein Vespahändler nach dem anderen (diese Konzentration von das gleiche

Produkt verkaufenden Händlern in einem Quartier oder Strasse ist in Asien typisch. So gibt es in Saigon Strassen mit Stoffhändlern,

Druckereien, Elektrogeräten etc.) Die meisten Vespahändler sind auf den Export der von ihnen wieder auf Vordermann getrimmten Vespas

und Lambrettas spezialisiert.Die Roller kosten je nach Ausführung rund 1'000 bis 1'400 USD. Dazu kommen noch die Transport- und Ver-

sicherungskosten von rund 400 USD. Die Roller werden mit Plastikschutzfolie verpackt, in eine massgeschneiderte Kiste gesteckt, mit den

nötigen Papieren versehen unddann mit dem Schiff weltweit verschickt. Lieferfrist nach Europa rund 4 Wochen. Einer der Händler zeigte mir

stolz seinen Ordner mit den weltweit getätigten Lieferungen, unter anderem auch in die Schweiz. Einmal habe er mehr als dreissig Vespas an

einen Käufer in Zürich geliefert, der ihm auch eine echte Schweizer Uhr als Geschenk machte. Anbei einige Bilder mit einem kleinen Aus-

schnitt das bei meiner Visite im Dezember letzten Monat in Saigon entdeckten Vespas und Lambrettas. Viele der Maschinen dürften wohl nicht

gerade in allen Punkten dem Originalzustand entsprechen, d.h. sind auf „Retro“ getrimmt.

Aber…. die Vespa-Puristen mögen mir verzeihen….  einige der Maschinen sahen sehr, sehr heiss aus. Urteilt am besten selbst!


Thailand


Im Gegensatz zu Vietnam, wo man praktisch keine Vespa im täglichen Strassenverkehr mehr sieht (eines der Gründe dürfte sicher darin

liegen, dass die japanischen Kleinmotorräder einfach technisch anspruchsloser sind, billig und in grossen Stückzahlen produziert werden und

die relativ schlechten Strassen besser bewältigen) sind Vespas in Thailand, insbesonders in Bangkok, noch relativ häufig anzutreffen. Neben

den Tuktuks, mit Butangas angetriebenen  Dreiradtaxis, bilden sie ein schnelles Fortbewegungsmittel im ewigen Verkehrsstau Bangkoks.

Keine Gasse zu klein, keine Ladung zu gross und zu sperrig, damit eine Vespa dies nicht  bewältigen könnte….

Vespa-Einsatz im Chinatown Bangkoks (Temperatur 32 Celsius im Schatten, Luftfeuchtigkeit  rund 90%, Lärm, Dreck und Gestank unbe-

Schreiblich)


Fazit


Die Motorisierung in Südostasien, insbesonders in Vietnam wurde in den letzten Jahren rasant vorangetrieben. Im Gegensatz zu Thailand, wo

das Automobil längst die Zweiräder verdrängt hat  (mit den Resultat, dass in Bangkok Tag und Nacht Rushhour herrscht und die grossen  

Ausfallstrassen bereits zweistöckig geführt werden) ist in Vietnam immer noch das Moped König. Als Vespisti könnte man meinen, dass damit

ein besserer Verkehrsfluss in den Städten möglich ist und Staus verhindert werden könnten. Dem ist jedoch nicht so! Ich habe es selber erlebt,

wie  an Samstagabend vor Weihnachten in Saigon durch die Millionen von Motorrädern der ganze Stadtkern Saigons immobilisiert wurde. Wir

steckten in einem Taxi und konnten, vor lauter Motorräder, nicht mal mehr aussteigen bzw. auf das Trottoir gelangen (das ebenfalls voll mit

hupenden und immobilen Mopeds). Die vietnamesische Regierung hat darauf reagiert und versucht, insbesonders in den Städten, mit Zu-

lassungseinschränkungen und höheren Fahrzeugsteuern dem weiteren Zuwachs an Mopeds entgegenzuwirken. Falls ihr mal in Saigon seid,

besucht doch mal die freundlichen Vespahändler an der An Duong Vuong - Strasse im 5.Bezirk. Ein Besuch lohnt sich! Vielleicht findet ihr

(oder seht zumindest) ja mal eure Traum-Vespa und entschliesst euch allenfalls für den Kauf und Import eines solchen Vehikels in die Schweiz

(Auf die möglichen Gefahren und Probleme möchte ich da nicht eingehen). Auf jedem Fall werdet ihr an den in Saigon vorgefundenen und

gesehenen Vehikeln, sowie am allgemeinen städtischen Verkehrschaos eure wahre Freude haben.



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